Omas Zauberkeksdose
4 Min. Vorlesezeit · ab 3 Jahren
Auf Omas Küchenschrank, ganz oben, stand eine blaue Blechdose mit einem goldenen Deckel. „Das ist meine Zauberkeksdose“, sagte Oma immer. „Wer sie öffnet, bekommt genau den Keks, den er gerade braucht.“
Paul glaubte das nicht so richtig. Eine Dose kann doch nicht zaubern. Aber als er an einem Regentag bei Oma war und sich ganz schrecklich langweilte, schob er einen Stuhl an den Schrank, kletterte hinauf und hob vorsichtig den Deckel.
In der Dose lag ein einziger Keks. Er hatte die Form eines Regenschirms. „Ein Regenschirm-Keks?“, murmelte Paul. Da kam Oma in die Küche. „Aha“, sagte sie und lächelte. „Ein Regenschirm-Keks. Dann gehen wir jetzt Pfützen springen.“
Oma holte ihre gelben Gummistiefel, Paul zog seine roten an, und dann sprangen sie draußen in jede Pfütze. Platsch! Platsch! Oma sprang am höchsten. Am Ende waren beide nass bis zu den Knien und lachten so laut, dass der Nachbarshund mitbellte.
Am nächsten Tag war Paul traurig, weil sein Freund Ben krank war und nicht spielen konnte. Er ging zur Dose. Darin lag ein Keks in Form eines Briefes. Oma gab ihm Papier und Buntstifte, und Paul malte Ben ein Bild mit einem riesigen Regenschirm. Oma brachte es mit ihm zum Briefkasten.
Am Abend, kurz vor dem Schlafengehen, öffnete Paul die Dose noch einmal. Darin lag ein runder Keks, so rund wie der Mond. „Was bedeutet der?“, fragte er. Oma setzte sich zu ihm aufs Bett. „Der bedeutet: eine Geschichte und eine ganz feste Umarmung.“
Später, als Paul schon schlief, stellte Oma die Dose wieder auf den Schrank. Sie lächelte und flüsterte: „Morgen backen wir neue Zauberkekse.“ Denn das Geheimnis der Zauberkeksdose kannte nur sie.
Zum Nachdenken: Was glaubst du: Wie hat Omas Dose wirklich gezaubert? Welchen Keks bräuchtest du heute?