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Finn konnte an diesem Abend einfach nicht einschlafen. Immer wenn er die Augen schloss, sah er einen kleinen funkelnden Pfad aus Sternenstaub, der aus seinem Fenster hinaus in die Nacht führte, so deutlich, dass er sich fragte, ob er ihn nicht sogar mit offenen Augen sehen könnte. Neugierig stand er auf, schlich leise an seiner schlafenden Katze vorbei und öffnete das Fenster einen Spalt.
Der Pfad wartete tatsächlich draußen, glitzernd und einladend. Finn stieg barfuß hinaus, und zu seiner Überraschung trug ihn der Pfad ohne Mühe, als würde er über weiche Wolken gehen statt über den harten Boden. Er folgte dem Pfad immer weiter, über die Dächer der Nachbarhäuser hinweg, durch ein paar niedrig hängende Wolken hindurch, bis er an ein verborgenes Tal kam, von dem er noch nie gehört hatte, nicht einmal in den Geschichten seiner Oma.
Das Tal der Träume lag ruhig zwischen sanften, leuchtenden Hügeln, die in allen Farben des Regenbogens schimmerten. Überall wuchsen Blumen, die leise summten wie kleine Glocken, und kleine Lichter schwebten wie Seifenblasen durch die Luft, manche platzten leise, wenn sie einen Baum berührten, und hinterließen einen kurzen funkelnden Regen. Ein alter Fuchs mit einer Brille aus Mondlicht saß am Eingang des Tals, auf einem Stein, der aussah wie geschmolzenes Silber, und blickte Finn freundlich an.
"Du bist auf der Suche nach etwas, das du verloren hast", sagte der Fuchs, nicht als Frage, sondern als Feststellung, seine Stimme war ruhig und alt, wie das Rascheln von trockenen Blättern. Finn dachte nach, setzte sich neben den Fuchs auf einen weichen Stein. Vor ein paar Wochen hatte er aufgehört, sich an seine Träume zu erinnern, egal wie sehr er sich Mühe gab, morgens beim Aufwachen alles war einfach verschwunden. "Ich möchte meine Träume wiederfinden", sagte er schließlich leise.
Bevor sie weitergingen, deutete der Fuchs auf einen kleinen Teich aus klarem Wasser am Rand des Weges, in dem sich der Sternenhimmel spiegelte, als läge dort ein zweiter Himmel unter der Wasseroberfläche. "Dieser Teich zeigt manchmal, was ein Kind sich am meisten wünscht, wenn es tief genug hineinschaut", sagte der Fuchs geheimnisvoll. Finn beugte sich vorsichtig vor und sah für einen Sekundenbruchteil sich selbst, wie er mit seinen Freunden auf einer grünen Wiese lachte, bevor sich das Bild wieder in gewöhnlichen Sternenglanz auflöste.
Der Fuchs führte ihn durch das Tal, vorbei an leuchtenden Blumenfeldern, in denen jede Blume einen vergessenen Traum eines Kindes barg, manche Blumen waren groß und leuchtend, andere klein und schüchtern, kaum sichtbar zwischen dem Gras. "Träume gehen nicht wirklich verloren", erklärte der Fuchs, während sie an einem kleinen Bach aus schimmerndem Wasser vorbeigingen. "Sie warten hier, bis ihr Kind bereit ist, ruhig genug zu schlafen, um sie wiederzufinden. Manchmal braucht es dafür ein bisschen Geduld."
Unterwegs kamen sie an einer Gruppe schlafender Schmetterlinge vorbei, deren Flügel aus dünnem, durchsichtigem Mondlicht bestanden. "Sie tragen die kleinen Wünsche der Kinder von einer Blume zur nächsten", erklärte der Fuchs, "damit kein Traum jemals ganz allein bleibt." Finn beobachtete fasziniert, wie einer der Schmetterlinge sanft aufwachte, kurz seine Flügel öffnete und dann weiterflog, tiefer ins Tal hinein, als hätte er eine wichtige Aufgabe zu erledigen.
Der Fuchs erzählte ihm auch von einem alten Baum in der Mitte des Tals, dessen Wurzeln bis tief unter die Wolken reichten, und der angeblich alle Träume kannte, die jemals geträumt worden waren, seit es Kinder auf der Erde gab. "Manchmal, wenn ein Kind einen besonders schönen Traum hat, flüstert der Baum ihn leise weiter, damit auch andere Kinder in einer anderen Nacht etwas Ähnliches träumen dürfen", sagte der Fuchs und blieb kurz stehen, um in Richtung des fernen, gewaltigen Baumes zu nicken, dessen Krone bis in die Wolken zu reichen schien.
Schließlich erreichten sie eine kleine, leuchtend blaue Blume, die sanft in der Abendluft schwankte, ihre Blütenblätter öffneten und schlossen sich langsam, wie ein ruhiger Atemzug. "Das ist deine", sagte der Fuchs. Finn beugte sich vorsichtig hinunter, berührte die Blume mit einem Finger, und sofort erinnerte er sich wieder an all die schönen Abenteuer, die er früher jede Nacht geträumt hatte: fliegende Drachen mit bunten Schuppen, geheime Höhlen voller funkelnder Steine, Freunde aus fernen Ländern, die er in seinen Träumen getroffen hatte.
Bevor sie sich auf den Rückweg machten, pflückte der Fuchs vorsichtig ein einzelnes leuchtendes Blütenblatt von einer nahen Blume und reichte es Finn. "Trage das bei dir, wenn du zurückgehst", sagte er. "Es wird verblassen, sobald die Sonne aufgeht, aber solange du schläfst, hilft es dir, dich an den Weg hierher zu erinnern, falls du jemals wieder herkommen möchtest." Finn steckte das Blütenblatt vorsichtig in seine Hosentasche, spürte, wie es sanft warm gegen sein Bein pochte, fast wie ein kleines, ruhiges Herz.
Der Fuchs lächelte zufrieden und stand langsam auf. "Träume finden nur den Weg zurück, wenn man ruhig genug wird, um sie hereinzulassen", sagte er, während er Finn zurück zum funkelnden Pfad aus Sternenstaub begleitete. "Denk daran, wenn du das nächste Mal ins Bett gehst: Sei einfach ruhig, und sie kommen von selbst."
Der alte Fuchs winkte ihm noch einmal freundlich nach, bevor er sich wieder auf seinem silbernen Stein niederließ, um auf das nächste Kind zu warten, das seinen Weg ins Tal finden würde. "Schlaf gut, kleiner Träumer", rief er ihm hinterher, seine Stimme wurde leiser, je weiter sich Finn auf dem funkelnden Pfad entfernte, bis sie schließlich ganz im sanften Rauschen der Wolken verschwand.
Finn folgte dem Pfad zurück durch die Wolken, vorbei an den Dächern, bis er sich plötzlich wieder in seinem eigenen weichen Bett wiederfand, die Decke warm um sich gezogen, seine Katze noch immer friedlich schlafend zu seinen Füßen. Er lächelte leise in der Dunkelheit, schloss die Augen, und diesmal, zum ersten Mal seit Wochen, spürte er, wie ihn ein wunderschöner Traum sanft in den Schlaf trug, voller Farben und dem leisen Summen kleiner Blumen.
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