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Es war einmal, am Rande eines riesigen, tiefgrünen Waldes, da lebte ein armer Holzfäller mit seinen beiden Kindern, Hänsel und Gretel. Die Zeiten waren hart, und oft reichte das Brot kaum für alle. Doch was der Familie an Gold fehlte, das machten die Kinder durch ihre Liebe zueinander wett. Hänsel war ein aufgeweckter Junge, der immer einen Plan parat hatte, und Gretel war klug und besaß ein Herz so warm wie die Morgensonne.
Eines Abends, als der Mond silbern durch das Fenster schien, hörten die Kinder, wie sich ihre Eltern voller Sorge unterhielten. Es gab fast nichts mehr zu essen. Schweren Herzens beschlossen die Eltern, die Kinder tief in den Wald zu führen, in der Hoffnung, dass sie dort vielleicht ein besseres Schicksal finden würden oder jemand sie aufnehmen könnte. Hänsel flüsterte seiner Schwester zu: „Hab keine Angst, Gretel. Ich werde auf uns aufpassen.“
Am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg. Hänsel hatte heimlich sein letztes Stück Brot eingesteckt. Während sie tiefer und tiefer in den dunklen Wald wanderten, ließ er immer wieder kleine Brotkrumen auf den Boden fallen. Er dachte, diese Spur würde ihnen den Weg zurück nach Hause zeigen. Doch als die Sonne unterging und der Wald in dunkle Schatten getaucht wurde, suchten die Kinder die Spur – vergebens. Die Waldvögel hatten die Krummen längst aufgepickt. „Wir sind verloren“, flüsterte Gretel und hielt die Hand ihres Bruders fest. „Nicht ganz“, antwortete Hänsel tapfer. „Wir haben uns, und gemeinsam finden wir einen Ausweg.“

Sie wanderten drei Tage lang, bis sie plötzlich einen köstlichen Duft in der Nase spürten. Es roch nach frisch gebackenem Lebkuchen, nach süßem Karamell und geschmolzener Schokolade. Mitten auf einer Lichtung stand ein kleines Haus, das so wunderbar aussah, dass sie ihren Augen kaum trauten. Das Dach war aus glänzendem Schokoladenguss, die Fenster aus hellem Zucker und die Wände aus feinstem Lebkuchen. Hungrig liefen sie herbei und begannen, kleine Stücke von der Wand zu brechen. „Knusper, knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“, ertönte plötzlich eine krächzende Stimme.
Eine alte Frau trat aus der Tür. Sie sah freundlich aus, doch hinter ihrem Lächeln verbarg sich eine listige Hexe. Sie lockte die Kinder mit dem Versprechen von noch mehr Süßigkeiten ins Haus. Doch kaum waren sie drinnen, änderte sich ihr Wesen. Sie sperrte Hänsel in einen kleinen Käfig aus Eisenstäben. „Dich werde ich mästen, bis du zart und saftig bist!“, rief sie boshaft. Die arme Gretel musste fortan den ganzen Tag schuften, Wasser schleppen und kochen, während sie bittere Tränen vergoss.
Jeden Morgen humpelte die Hexe zum Käfig und sagte: „Hänsel, streck deinen Finger heraus, damit ich fühlen kann, ob du schon fett genug bist.“ Doch Hänsel war schlau. Er hatte im Käfig einen kleinen, trockenen Knochen gefunden. Wenn die Hexe, die sehr schlecht sah, danach tastete, hielt er ihr den Knochen hin. Die Hexe wunderte sich: „Immer noch so mager? Was für ein zäher Junge!“

Nach vier Wochen verlor die Hexe die Geduld. „Gretel, heiz den Ofen an!“, befahl sie. „Egal ob Hänsel fett ist oder mager, heute wird gefeiert.“ Gretel zitterte am ganzen Körper, doch in ihrem Kopf schmiedete sie bereits einen Plan. Sie wusste, dass sie ihren Bruder retten musste. Als der Ofen glühend heiß war, sagte die Hexe: „Kriech hinein und schau, ob es warm genug ist, um das Brot zu backen.“ Sie wollte Gretel hineinschieben und die Tür schließen.
Doch Gretel tat so, als verstünde sie nicht. „Ich weiß nicht, wie ich das machen soll“, sagte sie unschuldig. „Wie komme ich denn da hinein?“ Die Hexe schimpfte: „Dumme Gans! Die Öffnung ist groß genug, schau, ich selbst könnte hinein!“ In dem Moment, als die Hexe ihren Kopf in den Ofen steckte, nahm Gretel all ihren Mut zusammen. Mit einem kräftigen Stoß schubste sie die Hexe hinein und schlug die schwere Eisentür zu.
„Hänsel! Wir sind frei!“, rief sie und öffnete den Käfig. Die Geschwister fielen sich weinend vor Glück in die Arme. Bevor sie das Haus verließen, entdeckten sie in den Ecken der Hexenhütte Kisten voller glitzernder Perlen und kostbarer Edelsteine. Sie füllten ihre Taschen damit, so viel sie tragen konnten.
Mit leichtem Herzen machten sie sich auf den Weg. Der Wald schien nun gar nicht mehr so dunkel, und die Vögel schienen ihnen den Weg zu weisen. Schließlich sahen sie das kleine Haus ihres Vaters. Als dieser seine Kinder sah, lief er ihnen mit Tränen in den Augen entgegen. Er hatte keinen Tag Ruhe gefunden, seit sie fort waren. Von diesem Tag an mussten sie nie wieder Hunger leiden. Hänsel und Gretel hatten gelernt, dass man mit Klugheit, Mut und vor allem durch Zusammenhalt selbst die größten Gefahren überstehen kann. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute glücklich und zufrieden.
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