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In einem tiefen, grünen Wald, wo die Tannen so hoch wuchsen, dass ihre Spitzen fast die Wolken kitzelten, lebte ein kleiner Bär namens Bruno. Bruno war ein besonders flauschiger kleiner Bär mit schokobraunem Fell und einer kleinen, himmelblauen Strickmütze, die ihm seine Großmutter geschenkt hatte. Meistens war Bruno ein sehr abenteuerlustiger Bär, der den ganzen Tag damit verbrachte, auf Baumstämme zu klettern oder nach süßen Beeren zu suchen. Doch heute war etwas anders. Die Sonne war bereits hinter den fernen Bergen untergetaucht und hatte den Himmel in ein sanftes Violett und tiefes Blau getaucht, aber Bruno war hellwach. Sein kleiner Bärenbauch atmete ruhig ein und aus, doch seine Augen wollten einfach nicht zugehen.
Er wälzte sich auf seinem weichen Bett aus Moos und getrockneten Farnen hin und her. Er versuchte, an Honig zu denken, an das Plätschern des Baches und an das Summen der Bienen, aber nichts half. Seine Mama, eine große, sanfte Bärin mit klugen Augen, bemerkte seine Unruhe. Sie legte ihre große Tatze behutsam auf seine Schulter. „Bruno, mein kleiner Schatz“, brummte sie leise, „wenn der Wald schläft und dein Herz noch tanzt, dann gibt es nur eines, was hilft: Die Sterne zählen.“ Bruno sah sie neugierig an. „Alle Sterne? Aber es sind doch so viele!“, flüsterte er. Mama lächelte. „Jeder Stern hat eine Geschichte, Bruno. Wenn du sie zählst, schenken sie dir ihre Ruhe.“

Also beschloss Bruno, sich auf eine kleine Reise zu begeben. Er schlich leise aus der gemütlichen Bärenhöhle hinaus in die kühle Nachtluft. Der Wald sah im Mondlicht ganz anders aus als am Tag. Die Blätter der Silberpappeln schimmerten wie kleine Münzen, und das Gras war feucht vom Tau. Bruno stapfte mit seinen kleinen Tatzen über den weichen Waldboden, bis er den „Sternenhügel“ erreichte – eine Lichtung oben auf einem kleinen Berg, von der aus man den ganzen Himmel überblicken konnte. Dort oben angekommen, setzte er sich ins hohe Gras und legte den Kopf in den Nacken. Der Himmel war übersät mit funkelnden Lichtern, die wie Diamanten auf dunklem Samt wirkten.
„Eins“, fing Bruno an und zeigte mit seiner Tatze auf einen besonders hellen, weiß leuchtenden Stern direkt über ihm. „Zwei, drei...“ Er zählte langsam und bedächtig. Bei „Zehn“ hörte er plötzlich ein leises Rascheln über sich. In den Ästen einer alten Eiche saß Luna, die weise Schneeeule. Ihre Federn waren so weiß wie der frisch gefallene Schnee und ihre Augen leuchteten wie zwei goldene Monde. „Guten Abend, kleiner Bruno“, sagte Luna mit einer Stimme, die so sanft war wie der Nachtwind. „Warum bist du noch wach?“ Bruno erklärte ihr seinen Plan. „Ich zähle die Sterne, damit ich schlafen kann. Aber ich weiß nicht, ob ich sie alle schaffe.“

Luna flog lautlos herab und setzte sich neben ihn. „Man muss nicht alle zählen, um den Frieden der Nacht zu finden, Bruno. Schau dort drüben, die sieben Sterne, die aussehen wie ein großer Wagen. Das ist der 'Große Bär'. Er wacht über uns alle.“ Bruno staunte. Er sah den Sternen-Bären am Himmel und fühlte sich plötzlich gar nicht mehr so allein. Gemeinsam mit Luna zählte er weiter. „Elf, zwölf, dreizehn...“ Bei jedem Stern stellte sich Bruno vor, wie er ein kleines Licht auspusten würde, so wie man eine Kerze auspustet, bevor man ins Bett geht. Er sah Sterne, die bläulich schimmerten, und solche, die ein warmes, gelbes Licht ausstrahlten. Luna erzählte ihm, dass die Sterne wie weit entfernte Sonnen seien, die über die Träume der Tiere wachen.
„Vierundzwanzig, fünfundzwanzig...“ Brunos Stimme wurde leiser. Er merkte, wie seine Augenlider schwerer wurden. Der Duft von feuchter Erde und Kiefernnadeln hüllte ihn ein wie eine warme Decke. In der Ferne hörte er das sanfte Rauschen des Wasserfalls, das wie ein Wiegenlied klang. Die Welt um ihn herum schien langsamer zu werden. Luna breitete ihre Flügel aus und erhob sich majestätisch in die Lüfte. „Gute Nacht, kleiner Bär“, rief sie ihm zu. „Die Sterne werden dich nach Hause begleiten.“
Bruno stand mühsam auf. Seine Beine fühlten sich schwer an, so als wären sie aus schwerem Honigteig gemacht. Er trottete langsam den Hügel hinunter, zurück in Richtung seiner Höhle. Auf dem Weg zählte er im Rhythmus seiner Schritte weiter. „Sechsunddreißig... siebenunddreißig...“ Er beobachtete, wie sich die Sterne im stillen Wasser des Waldsees spiegelten. Es sah aus, als würde er auf flüssigem Silber laufen. Jeder Schritt brachte ihn näher an sein gemütliches Bett. Er dachte an den Großen Bären am Himmel, der nun sicher auch gähnte und sich einkuschelte.
Als er die Höhle erreichte, wartete seine Mama bereits. Sie hatte ein frisches Lager aus weichem Moos bereitet. Bruno krabbelte hinein und spürte die wohlige Wärme des Zuhauses. „Wie viele hast du gezählt?“, fragte Mama flüsternd. Bruno gähnte so tief, dass man seine kleinen Zähnchen sehen konnte. „Ich... ich weiß nicht mehr genau... bei fünfzig bin ich... hängen geblieben...“, murmelte er. Er schloss die Augen und sah vor seinem inneren Auge noch immer das sanfte Funkeln. Er fühlte sich sicher, beschützt und unendlich müde. Das letzte, was er wahrnahm, war das sanfte Lecken seiner Mama über sein Ohr und das ferne, friedliche Glitzern eines einzelnen Sterns, der durch den Eingang der Höhle schien. Bruno schlief tief und fest, und in seinen Träumen tanzte er mit den Sternen über den Wolken.
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