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In einem kleinen, windschiefen Häuschen am Rande einer bunten Stadt lebte Hans. Hans war Schneider von Beruf, und obwohl er klein von Statur war, besaß er ein Herz, das so groß wie eine Kürbisblüte war. Den ganzen Tag saß er auf seinem Tisch, die Beine verschränkt, und nähte mit flinken Fingern feine Röcke und feste Hosen. Er liebte seine Arbeit, doch manchmal schweiften seine Gedanken in die weite Welt hinaus, dorthin, wo die Abenteuer warteten.
Eines sonnigen Vormittags kaufte Hans bei einer Bauersfrau ein Töpfchen köstliches Pflaumenmus. Er strich es sich dick auf eine Scheibe frisches Brot, legte es aber kurz beiseite, um eine schwierige Naht zu beenden. Doch der süße Duft lockte ungebetene Gäste an: Sieben Fliegen ließen sich auf dem Brot nieder und begannen gierig zu naschen. „Wer hat euch denn eingeladen?“, rief Hans lachend. Er nahm einen Stofflappen und schlug — patsch! — auf das Brot. Als er den Lappen hob, traute er seinen Augen nicht: Da lagen sie, alle sieben Fliegen, mausetot.
„Ei, Hans“, sagte er zu sich selbst und schüttelte den Kopf, „was bist du für ein Kerl! Die ganze Stadt muss das erfahren. Nein, die ganze Welt!“ Er war so beeindruckt von seiner eigenen Geschicklichkeit, dass er sich sogleich einen breiten Gürtel nähte. Mit großen, goldenen Buchstaben stickte er darauf: „Siebene auf einen Streich!“ Mit diesem Gürtel um die Hüften fühlte er sich plötzlich wie ein Riese. Er packte ein Stück alten Käse als Reiseproviant ein, steckte sich einen kleinen Vogel, der sich im Gebüsch verfangen hatte, in die Tasche und zog frohen Mutes in die Welt hinaus.

Sein Weg führte ihn in das dunkle Gebirge, wo er auf einen echten Riesen traf. Der Riese blickte verächtlich auf den kleinen Schneider herab. Doch Hans zeigte stolz auf seinen Gürtel. „Siebene auf einen Streich?“, brummte der Riese skeptisch. „Das will ich sehen.“ Der Riese nahm einen Stein und drückte ihn so fest zusammen, dass Wasser herauslief. Hans lächelte nur. Er holte heimlich den weichen Käse aus der Tasche und drückte ihn so fest, dass der Saft nur so spritzte. Der Riese staunte, glaubte aber noch nicht an Hans' Stärke. Er warf einen Stein so hoch, dass man ihn kaum noch sehen konnte. „Gut geworfen“, sagte Hans, „aber der Stein wird wieder zur Erde fallen. Ich werfe einen, der kommt nie zurück.“ Er nahm den kleinen Vogel aus der Tasche und warf ihn in die Luft. Der Vogel, froh über seine Freiheit, flog hoch am Himmel davon und kehrte nicht mehr zurück.
Der Riese war nun überzeugt, dass Hans ein mächtiger Held sein müsse, und lud ihn in seine Höhle ein. In der Nacht versuchten die Riesen sogar, den kleinen Schneider zu erschlagen, doch Hans war klug und hatte sich in einer Ecke versteckt. Als die Riesen ihn am nächsten Morgen munter und vergnügt sahen, bekamen sie es mit der Angst zu tun und liefen schreiend davon.
Hans zog weiter und gelangte schließlich zum Schloss des Königs. Die Nachricht von dem Helden, der „Siebene auf einen Streich“ besiegt hatte, war ihm bereits vorausgeeilt. Der König, der von zwei gefährlichen Riesen im Wald, einem wilden Einhorn und einem grimmigen Wildschwein geplagt wurde, bat Hans um Hilfe. Er versprach ihm seine Tochter zur Frau und das halbe Königreich als Belohnung.

Viele hätten nun gezittert, doch Hans vertraute auf seinen Verstand. Die beiden Riesen besiegte er, indem er sich in einem Baum versteckte und sie mit Steinen bewarf, bis sie sich gegenseitig für die Angreifer hielten und im Streit vernichteten. Das Einhorn fing er, indem er es gegen einen Baum rennen ließ, in dem sein Horn stecken blieb. Und das Wildschwein lockte er in eine kleine Kapelle und sperrte es einfach ein.
Als Hans schließlich vor dem König stand, um seine Belohnung einzufordern, flüsterten die Höflinge: „Er ist doch nur ein kleiner Schneider! Wie konnte er das alles schaffen?“ Doch Hans hörte nicht auf das Getuschel. Er wusste, dass es nicht seine Muskeln waren, die ihn zum Ziel geführt hatten, sondern sein Mut und sein unerschütterliches Selbstvertrauen. Er hatte an sich geglaubt, als er die Fliegen erschlug, und dieser Glaube war mit jeder Tat gewachsen.
Hans heiratete die Prinzessin und wurde ein weiser und gütiger König. Er bewahrte seinen alten Gürtel in einer gläsernen Vitrine auf, um sich immer daran zu erinnern, dass man nicht groß sein muss, um Großes zu vollbringen. Die Menschen im Land erzählten sich noch lange die Geschichte vom tapferen Schneiderlein, und jedes Kind lernte daraus: Wenn du fest an dich glaubst und deinen Verstand benutzt, kannst du selbst die größten Riesen des Lebens besiegen. Und so lebte Hans glücklich und zufrieden bis an sein Ende, stets mit einem Lächeln auf den Lippen und dem Wissen, dass ein kleiner Funke Selbstvertrauen ausreicht, um die ganze Welt zu erleuchten.
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