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Hoch oben über den Wolken, dort wo der Mond am hellsten leuchtet und die Sterne ein leises Lied summen, lebte Barnabas. Barnabas war kein gewöhnlicher Postbote. Er trug keine blaue Uniform und fuhr kein gelbes Auto. Barnabas war der Briefträger der Träume. Sein Fahrrad war aus purem Mondschein geschmiedet, und seine Packtaschen waren gefüllt mit glitzernden Umschlägen in allen Farben des Regenbogens.
Jede Nacht, wenn die Welt unten still wurde und die Kinder ihre Augen schlossen, schwang sich Barnabas auf sein Rad. Er radelte über die unsichtbaren Pfade des Nachthimmels, um jedem Kind genau den Traum zu bringen, den es gerade brauchte. Es gab Träume vom Fliegen, Träume von Schokoladenbergen und Träume, in denen man mit Tieren sprechen konnte.
In dieser besonderen Nacht war Barnabas besonders eifrig. Er hatte eine lange Liste abzuarbeiten. „Ein Piratenabenteuer für den kleinen Lukas, ein Flug auf einem Drachen für Sophie und ein sanfter Traum von einer Blumenwiese für die kleine Mia“, murmelte er und klopfte auf seine Tasche. Doch plötzlich geschah es. Als Barnabas eine scharfe Kurve um den Großen Wagen flog, rüttelte eine freche Sternschnuppe an seinem Gepäckträger. Mit einem leisen *Plopp* rutschte ein goldener Umschlag aus der Tasche und trudelte wie ein herbstliches Blatt hinunter zur Erde.
Barnabas erstarrte. „Oh weh! Das war Mias Traum!“, rief er erschrocken. Ohne diesen Traum würde Mia eine unruhige Nacht haben, und das durfte ein Traumbriefträger niemals zulassen. Er musste den Traum finden, bevor die ersten Sonnenstrahlen die Dunkelheit vertrieben.

Barnabas lenkte sein Mondscheinrad im Sturzflug nach unten. Er landete auf einer silbrig schimmernden Wolke und blickte hinab auf das verschlafene Dorf Schlummerstadt. Wo mochte der goldene Brief gelandet sein?
Zuerst suchte er im alten Kirchturm. Dort traf er Oskar, die weise Eule. „Oskar, hast du ein goldenes Leuchten gesehen?“, fragte Barnabas außer Atem. Oskar blinzelte verschlafen. „Nur das Glitzern des Flusses, mein Freund. Schau dort bei den Weiden nach, der Wind hat vorhin etwas Goldenes dorthin geweht.“
Barnabas bedankte sich und eilte zum Flussufer. Die Trauerweiden ließen ihre Zweige tief ins Wasser hängen. Und tatsächlich! Ganz oben in der Krone der größten Weide verfangen, leuchtete es hell. Es war Mias Traum! Doch der Baum war hoch und die Zweige waren dünn. Barnabas versuchte zu klettern, doch er war ein Briefträger der Lüfte, kein Akrobat.
„Brauchst du Hilfe?“, piepste eine feine Stimme. Es war ein kleiner Nachtfalter mit Flügeln, die wie Samt aussahen. „Der Wind ist heute tückisch, aber ich kann zu den dünnen Zweigen fliegen.“ Der Nachtfalter flatterte mutig hinauf, packte den goldenen Umschlag mit seinen Beinchen und brachte ihn sicher zu Barnabas zurück.

„Danke, kleiner Freund!“, sagte Barnabas erleichtert. Er schaute auf seine goldene Taschenuhr. Es blieb nicht mehr viel Zeit. Der Horizont färbte sich bereits ganz leicht violett – ein Zeichen, dass der Morgen bald erwachen würde. Er schwang sich auf sein Fahrrad und radelte so schnell er konnte zu Mias Haus am Rande des Waldes.
Er schlüpfte durch das geöffnete Fenster in ihr gemütliches Zimmer. Mia lag in ihrem Bett, ihre Decke war ein wenig zerwühlt und sie murmelte im Schlaf. Barnabas holte den goldenen Umschlag hervor. Er öffnete ihn vorsichtig, und ein warmer, weicher Glanz erfüllte den Raum. Er legte den Traum sanft auf Mias Stirn.
Sofort entspannten sich Mias Züge. Ein Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. Sie träumte nun von einer Wiese voller singender Blumen und Schmetterlingen, die aus Zuckerwatte bestanden. Barnabas atmete tief durch. Seine Mission war erfüllt.
Leise, wie ein Schatten, verließ er das Haus. Als er wieder hoch in den Himmel radelte, sah er, wie die Sonne langsam ihre Nase über den Hügel steckte. Die Sterne verblassten und sein Mondscheinrad wurde blasser, bis es fast unsichtbar war.
Zurück in der Mondstation hängte Barnabas seine leeren Taschen an den Haken. Er war müde, aber glücklich. Er wusste, dass Mia heute Morgen mit einem Lachen aufwachen würde, ohne zu wissen, dass ein kleiner Briefträger und ein Nachtfalter ihre Nacht gerettet hatten. Und während die Welt erwachte, legte sich Barnabas selbst schlafen, um von der nächsten Nacht zu träumen, in der er wieder das Glück in goldenen Umschlägen verteilen würde.
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