Die Reise zum Wolkenschloss

Die Reise zum Wolkenschloss

Kurze Gute-Nacht-Geschichte

Die Reise zum Wolkenschloss

Ein Mädchen reist in einem Traum durch den Himmel bis zu einem Schloss aus Wolken, wo sie lernt, dass Mut und Ruhe zusammengehören.

Basierend auf: house story for hub bedtime-long

Jetzt lesenVeröffentlicht am 22.09.2026

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Die Reise zum Wolkenschloss

Als Mira an diesem Abend die Augen schloss, spürte sie, wie ihr Bett sich ganz leicht anfühlte, fast so, als würde es schweben. Sie öffnete vorsichtig ein Auge und sah, dass sie tatsächlich durch die Luft schwebte, hoch über ihrem Haus, über den Baumwipfeln des Gartens und dann immer weiter hinauf, bis unter ihr nur noch ein Teppich aus weichen Wolken lag. In der Ferne erhob sich ein riesiges Schloss aus weichen weißen Wolken, seine Türme leuchteten sanft im Mondlicht.

Das Schloss hatte Türme, die aussahen wie aufgetürmte Wattebäusche, verziert mit kleinen funkelnden Fähnchen aus Sternenstaub, und Fenster, die golden im Mondlicht schimmerten, als würde in jedem Raum eine warme Kerze brennen. Vor dem Tor stand ein freundlicher Wolkenwächter, ein sanfter Riese aus Nebel mit einem langen weißen Bart, der Mira mit einem Nicken begrüßte. "Willkommen im Wolkenschloss", sagte er leise, seine Stimme klang wie ein fernes Donnergrollen, aber ganz sanft. "Hier darf jeder eintreten, der etwas Mutiges vorhat, aber ruhig bleiben kann."

Mira war ein wenig aufgeregt. Sie hatte am Tag zuvor Angst gehabt, allein in ihrem Zimmer zu schlafen, nachdem sie im Fernsehen einen Film gesehen hatte, der sie erschreckt hatte. Und jetzt sollte sie mutig sein, hier, an diesem fremden Ort? Der Wolkenwächter lächelte, als könnte er ihre Gedanken lesen, und beugte sich ein Stück zu ihr herunter. "Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben", sagte er. "Es bedeutet, ruhig zu bleiben, auch wenn man ein bisschen unsicher ist, und trotzdem den nächsten Schritt zu wagen."

Er führte Mira durch lange Gänge aus weichem Nebel, deren Wände sanft schimmerten, vorbei an Zimmern, in denen andere Kinder aus der ganzen Welt gerade träumten – sie hörte leises Lachen aus einem Zimmer und ruhiges Atmen aus einem anderen. In einem großen runden Saal drehten sich leuchtende Kugeln langsam um sich selbst, jede so groß wie ein Wasserball – jede zeigte den Traum eines schlafenden Kindes irgendwo auf der Erde, manche zeigten fliegende Drachen, andere zeigten Kinder, die am Strand spielten.

Am Ende des Gangs erreichten sie einen großen Balkon, von dem aus man die ganze Welt unter den Wolken sehen konnte: kleine Lichter in Häusern, ruhige dunkle Wälder, das glitzernde Meer, das sich bis zum Horizont erstreckte. "Von hier oben sieht alles friedlich aus, nicht wahr?", fragte der Wolkenwächter und stellte sich neben sie, seine große Gestalt spendete Schatten und Geborgenheit zugleich.

Mira nickte langsam. Zum ersten Mal seit dem gruseligen Film fühlte sie sich nicht mehr ängstlich, sondern nur noch neugierig und ruhig zugleich. Sie fragte den Wolkenwächter, ob es hier oben jemals dunkel und unheimlich werde, und er schüttelte sanft den Kopf. "Im Wolkenschloss gibt es keine Angst", erklärte er, "nur Ruhe und Vertrauen, denn hier weiß jeder, dass er sicher ist."

Der Wolkenwächter führte sie weiter, an einer kleinen Bibliothek aus Nebel vorbei, in der Bücher aus gefaltetem Dunst in Regalen standen, jedes voller Geschichten, die Kinder sich einmal gewünscht hatten. Ein kleiner Wolkenhund lag zusammengerollt vor einem Kamin, in dem statt Feuer ein sanftes goldenes Glühen brannte, warm, aber ohne Rauch. "Jedes Buch hier", erklärte der Wolkenwächter, "enthält eine Geschichte, die noch niemand ganz zu Ende geträumt hat. Sie warten geduldig darauf, dass ein mutiges Kind sie fertigträumt."

Mira fragte neugierig, ob sie eines der Bücher aufschlagen dürfe, und der Wolkenwächter nickte erlaubend. Sie öffnete ein kleines Buch mit schimmerndem blauem Einband, und sofort stiegen daraus winzige Bilder auf, wie Rauchschwaden, die Formen annahmen: ein Schiff auf einem Wolkenmeer, ein Berg aus goldenem Karamell, ein Wald voller leise singender Blumen. Die Bilder schwebten kurz über der Seite und lösten sich dann wieder auf, als hätten sie nur kurz Hallo gesagt, bevor sie zurück in die Seiten sanken.

"Diese Geschichte gehört jemand anderem", sagte der Wolkenwächter sanft und schloss das Buch behutsam, "aber vielleicht besuchst du sie eines Nachts in deinen eigenen Träumen, wenn du ruhig genug einschläfst." Er führte Mira weiter, durch einen runden Raum, in dem kleine Wolkenvögel leise übten zu singen, damit sie später schlafende Kinder mit sanften Melodien begleiten konnten, und dann hinaus in einen Garten voller leuchtender Blumen, die sich langsam öffneten und wieder schlossen, wie langsam atmende Wesen.

Am Ende des Gartens stand eine kleine Bank aus weichem Moos. Mira und der Wolkenwächter setzten sich für einen Moment einfach nur schweigend hin und ließen den Blick über das schlafende Land unter den Wolken schweifen: kleine Lichter in fernen Häusern, dunkle, ruhige Wälder, ein Fluss, der silbern im Mondlicht glitzerte. "Weißt du", sagte der Wolkenwächter schließlich, "jedes Kind, das hierherkommt, geht ein kleines bisschen ruhiger nach Hause, als es gekommen ist. Das ist die eigentliche Aufgabe des Wolkenschlosses."

Mira fragte ihn, ob er selbst manchmal Angst habe, so groß und stark, wie er war. Der Wolkenwächter lachte leise, ein Geräusch wie fernes, sanftes Donnergrollen. "Natürlich", sagte er. "Auch Wolkenwächter fürchten sich manchmal, wenn ein Sturm zu nahe kommt oder ein Kind zu lange traurig bleibt. Aber ich habe gelernt, dass Angst vorbeizieht, wie jede Wolke, wenn man nur ruhig genug wartet und nicht davonläuft."

Der Wolkenwächter reichte ihr eine kleine Laterne aus Sternenlicht, die warm in ihrer Hand lag, ohne zu brennen. "Nimm das mit in deine Träume", sagte er. "Wenn es einmal dunkel wird, in deinem Zimmer oder in deinen Gedanken, wird sie dich immer sanft erleuchten, denn du trägst jetzt ein Stück vom Wolkenschloss in dir."

Mira hielt die Laterne fest an sich gedrückt, während der Wolkenwächter sie langsam zurück zu ihrem Bett schweben ließ, vorbei an den Türmen, durch die Wolken hindurch. Das Schloss wurde kleiner und kleiner, bis es nur noch wie eine helle Wolke am fernen Himmel aussah, die langsam mit den anderen Wolken verschmolz.

Als sie schließlich wieder in ihrem eigenen weichen Bett lag, spürte sie noch die Wärme der kleinen Laterne in ihrer Hand, auch wenn ihre Finger eigentlich leer waren. Sie lächelte, drehte sich zur Seite und schaute kurz zu ihrem dunklen Fenster hinüber, ohne jede Angst. Dann schlief sie tief und ruhig weiter, ohne auch nur einmal aufzuwachen, bis die Sonne am nächsten Morgen warm durchs Fenster schien und die letzten Reste des Traums sanft verblassen ließ.

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